Auszeichnung des Heimatministeriums für Ewiges Licht

Heimatschatz

Das „Ewige Licht“ ist mit Forchheims jüngster Stadtgeschichte eng verbunden.
Albert Füracker, Christina König, Susanne Fischer, Marion Kiechle (v. l. n. r.)

Einen ganz besonderen „Heimatschatz“ nennt das Pfalzmuseum Forchheim sein Eigen: Das „Ewige Licht“ - ein ganz besonderer jüdischer Kultgegenstand in der Dauerausstellung des Stadtmuseums - wurde vergangene Woche als „Heimatschatz“ vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat und dem Bayerischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet und mit einem Preisgeld von 1.000 Euro prämiert.

Auf besondere Schatzsuche hatten sich das Heimatministerium und das Kunstministerium gemeinsam mit der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen und dem Bayerischen Landesverein für Heimatpflege im Rahmen des Wettbewerbs „100 Heimatschätze“ begeben. 300 Museen beteiligten sich mit 600 „Heimatschätzen“, unter anderen auch das Pfalzmuseum Forchheim. Die 100 besten Heimatschätze im Freistaat, darunter auch das Forchheimer Kleinod, wurden mit einem Preisgeld von 1.000 Euro prämiert und mit einer Urkunde ausgezeichnet.

Besondere Beachtung bei der Jurierung fand nicht nur das Objekt selbst, sondern auch seine Geschichte: So ist das „Ewige Licht“ mit Forchheims jüngster Stadtgeschichte eng verbunden. Es erinnert an die Synagoge für die kleine jüdische Gemeinde, die seit dem Mittelalter in Forchheim ansässig war. In der sogenannten "Reichskristallnacht" am 9. November 1938 wütete der braune Mob der Nationalsozialisten auch in Forchheim. In der Synagoge wurde das Mobiliar zerschlagen, die jüdischen Kultgegenstände landeten in der vorbeifließenden Wiesent. Am nächsten Tag wurde die Forchheimer Synagoge gesprengt. Ein Schuttberg blieb übrig, den die Juden mit bloßen Händen abräumen mussten.

Über viele Generationen erzählte man sich in Forchheim, dass die jüdischen Kultgegenstände aus der Synagoge unwiederbringlich verloren seien. Nachforschungen des Pfalzmuseums ergaben jedoch, dass eine Anwohnerin mutig die Gegenstände aus der Wiesent gefischt, sie aufbewahrt und nach dem Krieg der Jewish Restitution Successor Organisation (IRSO) übergeben hat. Dafür durfte sie das ehemalige Synagogengrundstück erwerben, auf dem in den 50er Jahren ihr Enkel, der spätere, langjährige Oberbürgermeister von Forchheim, Franz Stumpf, spielte. Der Verbleib der jüdischen Kultgegenstände aus Forchheim konnte bis heute nicht geklärt werden, seien sie doch auf nicht näher zu bestimmende "amerikanische Museen" verteilt worden (Auskunft Jüdisches Zentralarchiv Jerusalem).

Genau 60 Jahre nach der "Reichskristallnacht", im November 1998, wurde dem Pfalzmuseum jedoch ein Objekt angeboten, das die ganzen Jahre auf einem privaten Dachboden überdauert hatte: Das "Ewige Licht" (Ner tamid) der Synagoge, das zur Erinnerung an den siebenarmigen Leuchter des Tempels vor dem Toraschrein hing. Der ursprüngliche Glaseinsatz ging verloren, leuchtet aber in der Inszenierung im Museum weiter, erzählt von den Vorgängen in der Reichspogromnacht und bleibt als einziges Erinnerungsstück an die Forchheimer Synagoge erhalten.

Ende 2018 wird ein Buch mit den 100 Heimatschätzen erscheinen.